Systemisches Konsensieren

Systemisches Konsensieren (SK) ist eine zeitgemäße Methode, um bestmögliche Entscheidungen zu treffen.

Mit SK können die Menschen problemlos in jeden Schritt der Entscheidungsfindung eingebunden werden: Sie können 1. Fragen formulieren, 2. Antwort-Vorschläge einbringen, und 3. über diese Antwort-Vorschläge abstimmen.

1. Frage formulieren: Worüber soll überhaupt entschieden werden?
Um zu guten, demokratischen Entscheidungen zu kommen, muss die Frage punktgenau formuliert sein und Platz für verschiedene Antwort-Vorschläge lassen. Statt banaler, polarisierender „Ja-Nein-Fragen“ werden „offene Fragen“ gestellt, die eine Vielzahl an Antwort-Möglichkeiten zulassen (= „W-Fragen“: Wer? Was? Wann? Wo? Wie? usw.).

2. Antwort-Vorschläge einbringen: Welche Antwort-Möglichkeiten gibt es?
Die FragestellerInnen geben auch selbst einen ersten Antwort-Vorschlag mit. Wer damit unzufrieden ist, bekommt die Möglichkeit, innerhalb eines bestimmten Zeitfensters selbst einen besseren Antwort-Vorschlag zu formulieren.
Am Ende werden alle Antwort-Vorschläge aufgelistet und ein Passiv-Antwort-Vorschlag hinzugefügt, der beschreibt was passiert, wenn keiner der eingebrachten Antwort-Vorschläge umgesetzt wird („Businnes as Usual“).

3. Abstimmen: Welcher Antwort-Vorschlag ist der beste?
Abschließend dürfen die Menschen entscheiden. Dazu geben sie zu jedem einzelnen Antwort-Vorschlag ihren Widerstand an:
„egal“ = 0% Widerstand
„eher dagegen“ = 50% Widerstand
„stark dagegen“ = 100% Widerstand
Aus allen Angaben wird dann der durchschnittliche Widerstand für jeden einzelnen Antwort-Vorschlag berechnet.
Am Ende wird der Vorschlag mit dem geringsten durchschnittlichen Widerstand umgesetzt. Er ist dem Konsens am nächsten und hat die höchste Akzeptanz in der Bevölkerung.

Ja-Nein-Abstimmungen und Systemisches Konsensieren im Vergleich

Merkmale Ja-Nein-Abstimmung Systemisches Konsensieren
Messgröße Zustimmung Widerstand
Ziel mehr als 50% Zustimmung möglichst nahe an 0% Widerstand
Anzahl der Vorschläge eine Frage =
eine Antwort
eine Frage,
mehrere Antwort-Vorschläge
Berücksichtigung der Lösung „weiter-wie-bisher“ ja,
durch die Antwort „nein“
ja,
durch „Passiv-Antwort-Vorschlag“
Teilnehmende Betroffene + alle, die motiviert werden konnten abzustimmen Betroffene + alle, die zur Lösungsfindung beitragen wollen
Qualität der Lösung abhängig von der Intelligenz Einzelner, die die Frage (= Antwort) formulieren abhängig von der Intelligenz der Vielen, die Fragen und Antwort-Vorschläge formulieren
Haltung Misstrauen in die Intelligenz der Vielen Vertrauen in die Intelligenz der Vielen
Verhalten manipulativ („auf die eigene Seite bringen“), konkurrenzorientiert (andere schlechtmachen), problemzentriert konstruktiv, lösungszentriert, kooperativ („Wie denkst denn du darüber?“), konsensorientiert
Folgen Polarisierung, Emotionalisierung, Lagerbildung, Niedermachen anderer Meinungen, Durchsetzen, Aktionismus, Verschleppen gemeinsame Suche nach guten Lösungen, Fokus auf sachliche Diskussion, gegenseitiges Zuhören, Akzeptanz anderer Meinungen
Auswirkungen der Entscheidung GewinnerInnen und VerliererInnen (im schlimmsten Fall 49% VerliererInnen) => Widerstand bleibt aufrecht, Destabilisierung der Gesellschaft, Misstrauen in die Politik und in die Mitmenschen Minimierung der VerliererInnen; auch bei VerliererInnen hohe Akzeptanz der Ergebnisse, weil alle Vorschläge gehört wurden; Stabilisierung der Gesellschaft, Aufbau von Vertrauen in Politik und Mitmenschen
Beispiel Soll die Einkommensspreizung innerhalb von Unternehmen auf 1:12 begrenzt werden?

O ja
O nein

Anm.: Diese Abstimmung fand 2013 in der Schweiz tatsächlich statt. Ergebnis: 35% ja, 65% nein

Wie hoch soll die Einkommensspreizung innerhalb von Unternehmen maximal sein drüfen?

Vor- schlag egal eher da- gegen stark da- gegen
1:3 O O O
1:5 O O O
1:10 O O O
1:20 O O O
1:50 O O O
unbe- grenzt O O O

Anm.: Diese Abstimmung wurde im Rahmen von Hunderten Vorträgen getestet. Ergebnis: Geringster Widerstand fast immer im Bereich 1:5 bis 1:10.


Hintergründe zur SK-Methode

  • Jede politische Entscheidung führt zu Widerständen, weil sie die Freiheiten einiger Menschen zum Wohle der Allgemeinheit einschränkt. Ziel einer demokratischen Entscheidungsfindung muss es daher sein, die bestmögliche Lösung zu finden, die die Freiheiten am wenigsten einschränkt und somit den geringsten Widerstand in der Bevölkerung auslöst. SK ist die Entscheidungsmethode, die das am besten gewährleisten kann.
  • „Bestmöglich“ bezieht sich auf die Intelligenz der Vielen: Es ist denkbar, dass es theoretisch noch bessere Antworten gibt, aber diese keinem Menschen bekannt sind. Somit wird die  für den Moment beste Lösung gefunden, mittel- und langfristig können sich aber andere Lösungen als besser herausstellen. Dann kann eine neue Entscheidung getroffen werden.
  • Durch die Berücksichtigung des Passiv-Vorschlags wird offensichtlich, ob eine Veränderung der bestehenden Regelungen sinnvoll ist oder nicht. Die Differenz zwischen dem Vorschlag mit dem geringsten Widerstand und dem Passiv-Vorschlag zeigt außerdem die Motivation der Menschen, tatsächlich etwas zu verändern.
  • Um einen Wildwuchs zu vermeiden, kann bei der Anwendung auf der politischen Ebene nicht jede einzelne Frage und jeder einzelne Antwort-Vorschlag berücksichtigt werden. Deshalb müssen diese von einer bestimmte Anzahl an Menschen eingebracht werden (in Prozent der jeweiligen Bevölkerung).
  • Für die Formulierung von Fragen und Antwort-Vorschläge braucht es klare Definitionen, was zulässig ist und was nicht (siehe BürgerInnen-Entscheid).
  • Sollte der Widerstand selbst beim Vorschlag mit dem geringsten Widerstand sehr hoch sein (z.B. über 30%), können Phase 2 und 3 einmalig wiederholt werden. Dabei können neue, im Idealfall noch bessere Antwort-Vorschläge eingereicht werden. Danach wird erneut abgestimmt.


Weitere Informationen

Das Systemische Konsensieren wurde von Grazer Mathematikern entwickelt und wird von immer mehr Unternehmen und Vereine angewandt, um gute Entscheidungen zu treffen.

Offizielle Website: www.sk-prinzip.eu


Ich möchte, dass das Systemische Konsensieren für demokratische Entscheidungen angewendet wird!